Interview mit Josephine Katharina Groß

Josephine Katharina Groß

In ein paar Tagen ist es so weit, dann kommt der neue Roman von Josephine Katharina Groß heraus: Das Lilienschloss. Die Gelegenheit habe ich genutzt, um dem Bielefelder Multitalent ein paar Fragen zu stellen – zum Roman, zu ihrer Arbeitsweise, zu ihren anderen Projekten und zu einigen anderen Themen.

Joe, erst mal vielen lieben Dank, dass du dich bereiterklärt hast, auf die Schnelle ein paar Fragen zu beantworten, damit ich diesen Monat keinen richtigen Blogartikel schreiben muss, sondern einfach dir den Großteil der Arbeit aufhalse. Aber du hast ja schließlich auch was davon, nicht wahr? (lacht) 

Spaß beiseite.

Fangen wir mit was Kurzem, aber wahrscheinlich nicht ganz Leichtem an:

In einem Satz: Worum geht es in deinem neuen Roman?

In „Das Lilienschloss“ geht es um die tragische Vergangenheit zweier Schwestern und wie sich diese auf die nichtsahnende Gegenwart ausgewirkt hat.

Waren die zwei Zeitebenen, in denen die Geschichte spielt, von Anfang an geplant oder hat sich das beim Schreiben so ergeben?

Bei diesem Buch war es von Anfang an geplant, mit unterschiedlichen Zeitebenen zu arbeiten, da es von vornherein als „Familiengeheimnisroman“ gedacht war. Für dieses Genre sind unterschiedliche Zeitebenen sehr typisch, wenn nicht gar kennzeichnend. Mir war es aber von Anfang an wichtig, dass die „Vergangenheit“ einen deutlich größeren Rahmen einnehmen sollte, da ich beim Lesen solcher Bücher selbst immer lieber die Vergangenheit lese und von der „Gegenwart“ meistens eher genervt bin.

Wie viel der Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten?

Vielleicht so 3–5 Prozent, also nicht sonderlich viel. Autobiografische Elemente und persönliche Erinnerungen aus meiner Kindheit finden sich ausschließlich in der „Gegenwart“, beziehungsweise in „Joannas Erinnerungen“. Hier hat jedes Mitglied meiner eigenen Familie ein passendes Pendant in der großen Familie Bergamot. Für mich persönlich war dies eine schöne Art, Erinnerungen an meine Kindertage, zum Beispiel die an meinen bereits verstorbenen Großvater, festzuhalten und sie folglich nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Viele Erinnerungen von Joanna, die mein persönliches Pendant darstellt, sind jedoch nicht die meinen, sondern frei erfunden. Doch ein Fünkchen Wahrheit lässt sich wohl dennoch immer irgendwo finden, wenn man ganz genau hinguckt.

Zählt man die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges (1914–1918) zu den „wahren Begebenheiten“, so wird anfangs genannter Prozentsatz natürlich noch einmal etwas größer. Obwohl für mich persönlich bei diesem Roman die Handlung und die Figuren deutlich mehr im Fokus standen als die historischen Ereignisse zu dieser Zeit, bilden Letztere doch einen realitätserweckenden Rahmen für meine Geschichte. Berühmte historische Figuren spielen in „Das Lilienschloss“ jedoch keine Rolle. Viel eher stehen das Leben zu dieser Zeit und einzelne Ereignisse daraus im Vordergrund.

Wie sieht dein Schreibprozess aus? Schreibst du zu bestimmten Zeiten oder nach Lust und Laune?

Nach Lust und Laune. Aber sowas von. Deshalb hat es auch ziemlich lange gedauert, „Das Lilienschloss“ zu beenden. Ich hatte zwischendurch monatelange Phasen, in welchen ich gar nicht an dem Buch weitergeschrieben, bzw. -gearbeitet habe.

Allerdings habe ich vor wenigen Monaten eine spezielle Schreibroutine für mich entdeckt, mit der ich sehr glücklich war. Mit dieser ist es mir gelungen, den ersten Entwurf eines weiteren Projekts viel schneller fertig zu schreiben, als es mir ansonsten gelungen wäre. In dieser Zeit habe ich wirklich jeden Tag geschrieben. Und sei es nur für 15 Minuten, wenn der Tag mal stressig und vollgepackt war. Meistens konnte ich mir aber eine halbe oder gar eine ganze Stunde am Tag einrichten.

Wie gelingt es dir, das Schreiben mit der Arbeit und deinen anderen Projekten zeitlich und gedanklich unter einen Hut zu bringen?

Vor Corona war das viel schwieriger. Tatsächlich bin ich erst durch den ersten Lockdown wieder richtig zum Schreiben gekommen. Ich hatte vorher immer ganz viele andere Dinge zu tun, wie Filmproduktionen, Tanzen oder Proben im Theater, und dazu kam mein damaliger Job als Werkstudentin im Marketing. Als das alles wegfiel, habe ich meine Liebe für das Schreiben wiederentdeckt und seitdem hat das Autorenleben bei mir kräftig an Macht gewonnen. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass ich seit einem Jahr auf „Bookstagram“ unterwegs bin und dort erstmals richtigen Kontakt mit meinen Leser*innen aufbauen konnte.

Trotzdem wünsche ich mir eigentlich jeden Tag, dass dieser mehr Stunden haben sollte, weil ich längst nicht alles schaffe, was ich gerne schaffen würde. Da muss immer irgendwas zurückstecken.

Dafür ist mir allerdings, selbst im Lockdown, niemals langweilig.

Ist deine Schreiblust fürs Erste wieder gestillt oder geht es direkt weiter? Hast du vielleicht sogar schon dein nächstes Buchprojekt begonnen?

Da ist absolut nichts gestillt. Mich hat erst vor wenigen Tagen der unauslöschliche Drang gepackt, noch einen weiteren Familiengeheimnisroman zu schreiben, den ich gerade fleißig plotte, bevor ich mich ans Schreiben mache.

Wann und wo notierst du neue Ideen?

Möglichst sofort, wenn sie mir durch den Kopf fliegen. Da landen sie dann vermutlich erst mal in meinen Handy-Notizen, weil ich mein Smartphone immer als Erstes griffbereit habe.

Hast du noch alte Buchprojekte in der Schublade, die du vielleicht eines Tages entstauben und abschließen willst?

Jepp. Ich habe noch drei fertige Rohmanuskripte „in der Schublade“ liegen, die darauf warten, dass ich mich ihnen wieder zuwende. Dabei handelt es sich um ein Kinderbuch, das nach Illustrationen verlangt, ein Jugendbuch, das nach mehreren Fortsetzungen schreit, und einen Urban-Fantasy-/Young-Adult-Roman, der gerne überarbeitet werden möchte.

Was wird aus Ghost No Girl!?

Bei „Ghost No Girl!“ handelt es sich um besagten Urban-Fantasy-/Young-Adult-Roman. Der erste Entwurf ist komplett fertig geschrieben, und die Überarbeitung läuft gerade so nebenbei. Danach werde ich mit dem fertigen Manuskript mein Glück bei meinem Wunschverlag versuchen. Falls daraus nichts wird, wird das Projekt „Allie“ allerdings vorerst ein bisschen warten müssen, weil ich mich dann erst mal um meine anderen Projekte kümmern möchte, bevor ich mit GNG einen weiteren Versuch wage.

Welche Genres würden dich noch reizen, welche gar nicht?

Ich bin vermutlich eher für Genre-Mischungen zu haben. Deshalb fällt es mir auch oft schwer, meine Projekte einem klaren Genre zuzuordnen. Außer „Familiengeheimnisroman“, was, wie ich erst vor Kurzem herausgefunden habe, wirklich ein Genre ist. Ich dachte mal, ich hätte das Wort erfunden, aber da kam wohl jemand vor mir drauf.

Genres, die ich mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit nie schreiben werde, sind Erotik, Dark Romance, High Fantasy und sicher noch ein paar andere, die mir gerade aufgrund von mangelndem Interesse nicht einfallen.

Planst du deine Romane oder schreibst du einfach los?

Bisher habe ich immer wild drauflos geschrieben. Mein neues Projekt, das ich vor wenigen Tagen angefangen habe, ist das erste, das ich vollständig plotten möchte, bevor ich auch nur ein Wort schreibe. Ich habe die Hoffnung, dass ich auf diese Weise einmal schneller vorankomme und nicht zwischendurch zu lange überlegen muss, wie es denn als Nächstes weitergehen soll.

Bis auf die längeren Pausen, in denen nichts geschah, war ich jedoch sehr zufrieden mit meiner vorherigen Schreibmethode. Beispielsweise hatte ich, als ich mit dem Schreiben begann, gut 95 Prozent meines Debütromans „Das Phantom der Kate Summer“ überhaupt nicht geplant. Die Geschichte hat sich einfach so entwickelt. Zahlreiche Figuren, die mir letzten Endes sehr ans Herz gewachsen sind [Galina?, PW], sind einfach so aufgetaucht, ohne dass ich vorher wusste, dass sie überhaupt existieren. Und Dinge sind geschehen, von denen ich anfangs nicht gedacht hätte, dass ich sie je schreiben würde. Meine bisherigen Schreibprojekte sind stets mit mir gewachsen und das finde ich sehr schön. Dennoch wird es jetzt mal Zeit, eine andere Methode auszutesten.

Hast du ein Lieblingswort? Oder ein Wort, das du gar nicht magst?

Mein Lieblingswort ist „bittersüß“. Und auch den Namen der Blume „Bittersüßer Nachtschatten“ finde ich wunderschön. Auch wenn ich die Blume an sich super hässlich finde.

Ein Wort, das ich gar nicht mag und bei welchem mir schon fast schlecht wird, wenn ich es höre, ist „quasi“. Ich vermeide das Wort stets, indem ich stattdessen „praktisch“ sage.

Was ist dein Lieblingsbuch? Welches Buch findest du überbewertet?

Mein Lieblingsbuch ist „Der verborgene Garten“ von Kate Morton, meiner Lieblingsautorin. Sie war es, die meine Liebe für Familiengeheimnisromane und tragische, düstere Schicksale wunderbarer Menschen geweckt hat.

Welches Buch ich überbewertet finde, kann ich gar nicht mal sagen, weil ich die meisten Bücher, die momentan total in Mode sind (die meisten New-Adult-Bücher) gar nicht erst anfassen würde. Ich habe mal für einen kurzen Moment überlegt, einer super beliebten NA-Reihe eine Chance zu geben. Ich dachte mir, es muss ja einen Grund haben, wieso alle die Bücher so toll finden. Dann habe ich die ersten paar Sätze der Leseprobe gelesen und dachte nur, nö.

Was ist dein Lieblingsalbum? Dein Lieblingsfilm? Dein Lieblingsbild? Dein Lieblingsspiel?

Mein Lieblingsalbum ist vermutlich „The Strange Case Of“ von meiner Lieblingsband Halestorm. Ich mag aber alle Alben von ihnen. Tatsächlich ist Halestorm auch die einzige Band, von der ich mir überhaupt ein ganzes Album am Stück anhören kann und möchte. Ansonsten bevorzuge ich Playlists, oder die zufällige Musikwiedergabe auf meinem Handy. Andere Bands, von denen ich aber auch für einige Zeit am Stück etwas hören kann, wären The Pretty Reckless, My Chemical Romance oder (bevorzugt an regnerischen Tagen, oder wenn es so heiß ist, dass ich eine gedankliche Abkühlung brauche) Bring Me The Horizon.

Mein Lieblingsfilm ist ganz klar „Edward mit den Scherenhänden“, dicht gefolgt von „10 Dinge, die ich an dir hasse“, „Sleepy Hollow“ und „The Greatest Showman“.

Mein Lieblingsbild ist die „Mona Lisa“. Als Kind hatte ich eine sehr große Faszination für das Abbild dieser Frau und wollte am liebsten alles über diese geheimnisvolle Dame erfahren. Eine ähnliche Wirkung hatte auf mich nur „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“.

Ich hasse Gesellschaftsspiele, weil ich eine grauenvolle Verliererin bin. Wenn mich mal irgendjemand wie durch ein Wunder dazu überredet, ein Spiel mitzuspielen, dann kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass ich irgendwie versuchen werde, zu schummeln, damit ich gewinne. Also sollte man es vermutlich lieber gleich lassen, mit mir zu spielen. Früher habe ich aber relativ häufig Spiele auf meinem Nintendo DS gespielt. Hauptsächlich alles rund um Mario, The Legend of Zelda und Professor Layton. Aber heutzutage habe ich da einfach keine Zeit mehr für.

Welchen Prominenten würdest du gern mal treffen und warum?

Tim Burton und Johnny Depp. Ich liebe die beiden und ihre Arbeit so unfassbar. Allerdings würde ich in ihrer Gegenwart vermutlich keinen einzigen Ton rauskriegen. Und tot umfallen.

Hast du das Kate-Summer-Universum komplett verlassen oder könntest du dir vorstellen, ein Prequel, eine Fortsetzung oder ein Spin-off zu schreiben? Vielleicht noch eine Kurzgeschichte?

Es wird weder ein Prequel noch ein Spinn-off geben. Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Ich habe jedoch vor einiger Zeit zwei Kurzgeschichten verfasst, die im Kate-Summer-Universum spielen. Es hat mir großen Spaß gemacht, seit Jahren mal wieder in diese Welt und in meine so sehr geliebten Charaktere einzutauchen. Also eventuell werde ich irgendwann noch mal damit weitermachen und vielleicht einen Kurzgeschichtenband herausgeben. Aber wirklich nur vielleicht.

Welche Software benutzt du für deine literarischen Projekte?

Ich arbeite hauptsächlich mit Papyrus Autor. Hier wird die Rohfassung geschrieben und gründlich überarbeitet. Den Buchsatz, sowie auch das Cover, mache ich neuerdings mit Affinity Publisher.

Leser welcher Bücher würden Das Lilienschloss wohl mögen?

Leser*innen von Familiengeheimnisromanen, so will ich hoffen. Fans von Kate Morton, Lucinda Riley, Anne Romer, Kimberly Wilkins oder Katherine Webb sind bei mir gut aufgehoben.

Hast du ein Lieblingszitat? Oder ein Lebensmotto?

Hakuna Matata! (Das bedeutet „Keine Sorgen“. 😉)

1 Kommentar zu „Interview mit Josephine Katharina Groß“

  1. Zahlreiche Figuren, die mir letzten Endes sehr ans Herz gewachsen sind [Galina?, PW], sind einfach so aufgetaucht, ohne dass ich vorher wusste, dass sie überhaupt existieren.

    Ja, Galina ist ein sehr gutes Beispiel dafür. 😀

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