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»Der Künstler und die Assassinin«: Leserfragen

Beitragsbild Der Künstler und die Assassinin. Leserfragen

Mein neuer Roman Der Künstler und die Assassinin war lange in Arbeit und unterscheidet sich in gewissen Aspekten von Zeichen von Herbst und Gegenlicht. In diesem Blogartikel beantworte ich ein paar interessante Leserfragen zum Entstehungsprozess und zum Stil des neuen Werks.

Diese sieben Fragen, die mir von Lesern des neuen Romans gestellt wurden, will ich gern so ausführlich beantworten, wie ich kann:

Frage 1: Wie ausgereift muss eine Romanidee bei dir sein, bevor du dich an die Umsetzung machst?

Ziemlich. Ich bin definitiv ein Plotter (und kein Pantser). Ich schreibe nicht einfach drauflos. Ich skizziere die Struktur ganz grob und arbeite mich dann in die Einzelheiten hinab (ein bisschen wie die Schneeflocken– oder eine Baumstruktur). Es kann passieren, dass ich einzelne Szenen oder Momente oder Sätze vor dem »Startschuss« zu Papier bringe, aber die ernsthafte Arbeit an einem Roman beginnt erst, wenn ich die Kapitel aufgelistet und die jeweiligen Szenen in (eckig geklammerten) Zusammenfassungen aufgelistet habe, etwa so:

[Beschreibung der Szenerie]

[Der Protagonist tut dieses oder jenes, weil …]

[Nebenfigur X kommt hinzu]

[Dialog über Thema Y]

[Pointe]

[Der Protagonist tut dieses oder jenes, weil …]

[Das führt dazu, dass …]

Und so weiter.

Tatsächlich denke ich nun schon seit Monaten über den vierten Roman nach, fühle mich aber noch nicht imstande – das heißt: noch nicht genug genug vorbereitet –, mit dem Schreiben zu beginnen. Ich habe die Welt vor Augen, mir fallen ständig World-Building-Details ein, aber der Plot hat sich noch nicht herauskristallisiert. Ich mache mir allerdings keine Sorgen, denn das war bei Zeichen von Herbst, Gegenlicht und Der Künstler und die Assassinin ähnlich.

Meine Hoffnung ist, dass es auch bei Roman IV (Projektname) eines Tages Klick macht und mir in einem Geistesblitz klar wird, worum es für den oder die Protagonisten gehen soll (höchstwahrscheinlich werden es wieder mehrere, aber wer weiß – über die gesamte Romanlänge bei einem einzigen Protagonisten zu bleiben, reizt mich auch).

Frage 2: Wenn du könntest, würdest du im Nachhinein noch etwas ändern?

Ich habe lange über den Plot von Der Künstler und die Assassinin nachgedacht und mir viele Gedanken zu den verschiedensten Facetten der Welt gemacht, in der der Roman spielt, und zu den Figuren. Es gibt aktuell keinen Punkt, bei dem ich mich ärgere, irgendetwas nicht bedacht oder irgendein Potenzial nicht ausgeschöpft zu haben.

Im Übrigen bin ich dafür auch nicht der Typ. Es ist meine Überzeugung, dass kaum ein Kunstwerk jemals perfekt sein kann (außer minimalistische Kunstwerke, bei denen man überhaupt nur wenige kreative Entscheidungen zu treffen hat) und dass man sich als Künstler und als Mensch stets weiterentwickelt. 

Dementsprechend gehe ich durchaus davon aus, dass mir eines Tages eine Idee kommt, die sich gut gemacht hätte in Der Künstler und die Assassinin (oder auch in Zeichen von Herbst oder Gegenlicht), aber das wird mich nicht stören. Die Werke wurden nun mal so veröffentlicht, wie sie zum jeweiligen Veröffentlichungszeitpunkt gestaltet waren, ein Abbild dieser Zeit, wenn man so will, zu dem man stehen kann und sollte (auch, um sich nicht verrückt zu machen). 

Hinzu kommt, dass jedes Element eines Romans, das ein Leser kritisiert, in den Augen eines anderen vielleicht ein brillanter Einfall war. Man kann nie wissen, wen man – auch unwahrscheinlicherweise – mit dieser oder jener Idee begeistert, mit dieser oder jenen Formulierung berührt.

Deswegen würde ich die Texte vermutlich auch dann nicht anpassen, wenn sich eine “günstige” Gelegenheit dazu bietet (etwa ein Re-Release durch einen Verlag).

Diese Philosophie bezieht sich natürlich ausschließlich auf kreative Entscheidungen; eindeutige Fehler sollten im Rahmen der Möglichkeiten korrigiert werden.

Frage 3: Was sind drei Besonderheiten von Der Künstler und die Assassinin?

Erstens: Kontraste

Wer meine vorherigen Romane kennt, weiß, dass ich Kontraste liebe. Tatsächlich habe ich mir sehr viele Gedanken und Notizen gemacht, inwiefern sich die Lebenswelten des Künstlers Leon Witt und der Assassinin Zoe Berlioz unterscheiden könnten. Manches liegt sicherlich auf der Hand, manches ist weniger offensichtlich. Ich denke, dass der aufmerksame Leser auch bei einer zweiten Lektüre noch die eine oder andere neue Gegensätzlichkeit findet.

Zweitens: Schöne Sprache plus Spannung

In vielen Köpfen besteht eine Art Dichotomie, was diese beiden Dimensionen betrifft. In gewissem Maße stimmt das auch, denn schöne Sprache ist oft ausschweifend, wohingegen Spannung meist dadurch aufrechterhalten wird, dass in kurzer Zeit viel passiert. 

Es kann jedoch meines Erachtens durchaus gelingen, beides in Einklang zu bringen. Viele Klassiker sind auch nach heutigen Maßstäben sehr spannend – ein paar gute Beispiele habe ich im vorherigen Blogartikel mit meinen Klassikerempfehlungen aufgelistet.

Drittens: Fantasy-Anstrich

Ein wenig kontrovers sind möglicherweise Beschreibungen von Landschaften oder Situationen, wie sie mitunter einem Fantasy-Roman entnommen sein könnten, und meine Verwendung von entsprechenden Begriffen oder sonstigen Archaismen. Ich verwende gern solche Begriffe in meinen Metaphern und Allegorien, zum einen, weil sie schön klingen, zum anderen – und das ist wichtiger – um der Konnotationen und Assoziationen willen. 

Es ist ein großer Unterschied, ob die Führungsriege der Avantgarde (auch das ist, denke ich, schon ein unerwarteter Begriff) als Bosse, Leiter, Manager oder eben als Paladine bezeichnet werden. Das Wort Paladin hat meines Erachtens eine sehr viel stärkere Wirkung auf den Leser. Er impliziert Licht und Ehre, ganz im Kontrast zu den tatsächlichen Begebenheiten, was die Anmaßung der Avantgarde, die Selbstherrlichkeit und Selbstüberschätzung insbesondere der Oberen zum Ausdruck bringen mag.

Wichtig ist mir, dass es sich hierbei lediglich um einen Anstrich handelt: Natürlich ist Mephisto nicht wirklich ein »Vampir« (verbirgt sich aber vor der Welt des Tages und nutzt seine Untertanen wie gebannte Tiere aus), und die Fußsoldaten der Avantgarde sind nicht wirklich »Dämonen« (hausen aber im Dunklen und haben Schabernack im Sinn). 

Wollte man die Verwendung der Begriffe noch weiter rechtfertigen, könnte man sagen, meine Focaliser neigen dazu, die Welt mit den Augen von Fantasy-Fans zu betrachten (ohne explizit welche zu sein).

Frage 4: Woher stammen die Ideen für die Personen in dem Roman? Hast du dich von realen Personen inspirieren lassen?

Meine Figuren haben nie die eine reale Vorlage, die alle Facetten der Erscheinung, der Persönlichkeit und des Verhaltens abbilden würde. Es sind – so habe ich das hier schon einmal ausgedrückt – »Chimären«. Das heißt, es handelt sich um Vermischungen verschiedener Personen, sowohl realer als auch fiktiver. Manche Aspekte werden dabei überzeichnet, manche variiert, damit die Figur noch etwas interessanter wird, manche ausgespart um der Kohäsion willen.

Frage 5: Setzt du dich ans Schreiben, wenn du dich inspiriert fühlst, oder hast du feste Zeiten? Hattest du bei dem Roman Schreibblockaden?

Auf Inspiration warten nur Amateure. Ein richtiger Künstler setzt sich ans Werk, auch wenn ihm nicht danach ist. Das klang hart, oder? So würde das jemand wie Edgar sicherlich schonungslos auf den Punkt bringen. Aber es ist wahr. Oft kommt die Inspiration erst bei der Arbeit. Feste Zeiten habe ich nicht, aber wenn ich an einem Roman arbeite, findet sich eine entsprechende Aufgabe täglich auf meiner To-do-Liste. 

Ich habe ganz gute Erfahrungen damit gemacht, jeden Tag zwei Seiten zu schreiben oder fünf Seiten zu überarbeiten. Das ist genug, um voranzukommen, und nicht so viel, dass man sich nicht dazu aufraffen könnte, wenn die Motivation mal schwieriger zu finden sein sollte. Wichtig ist, dass man kontinuierlich arbeitet. Ohne Ausreden.

Eine richtige Schreibblockade hatte ich noch nie. Natürlich kommt man manchmal in der Szene, die man schreiben will, nicht voran, da erscheint plötzlich keine Idee gut genug. Aber es findet sich immer eine andere Stelle, bei der einem die nächsten Zeilen sofort in den Sinn kommen, bei der man dann wieder in den Fluss kommt. Man darf einfach nicht starrsinnig sein.

Frage 6: Hörst du beim Schreiben Musik? Gibt es sonst irgendwelche Rituale?

Gelegentlich höre ich Musik. Im Anhang von Zeichen von Herbst gibt es sogar eine Liste von Künstlern, die ich gehört habe. In letzter Zeit habe ich allerdings seltener Musik beim Schreiben laufen lassen, ich weiß auch nicht, wieso.

Sonstige Rituale gibt es nicht wirklich. Ich trinke gern einen Kaffee bei der Arbeit, aber diese Arbeit muss nicht unbedingt im Schreiben bestehen. Oft ist die Tasse bereits leer, wenn ich bei diesem Punkt der To-do-Liste angelangt bin.

Frage 7: Wenn der Roman verfilmt werden würde, welche Schauspieler würdest du wählen?

Sehr gute Frage! Und sehr schwierig zu beantworten. Bei Zeichen von Herbst hatte ich mir damals tatsächlich mal Gedanken dazu gemacht. Für Der Künstler und die Assassinin musste ich eine Weile googeln, aber ich glaube, ich habe einen guten (wenn auch völlig unrealistischen) Cast für die sieben Figuren gefunden, die meines Erachtens die wichtigsten sind:

Obwohl ich eine ganze Weile nachgedacht und gegoogelt habe, bin ich mit dieser Liste nicht 100%ig zufrieden. Vielleicht überarbeite ich sie in der Zukunft noch einmal, wenn mir ein anderer Schauspieler ein- oder auffällt. Ihr könnt gern auch Vorschläge machen! 😉

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Habt ihr weitere Fragen zu Der Künstler und die Assassinin, meinen anderen Romanen oder meinem Schreibprozess? Immer her damit! Gern beantworte ich sie euch in einem Kommentar oder, wenn es genug sind, in einem weiteren Blogartikel.

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