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10 Literatur-Fragen: Meine Social-Media-Engagement-Fragen selbst beantwortet – Nr. 2

Beitragsbild Facebook Fragen #2

Vorletztes Jahr habe ich jeden Sonntag eine mehr oder weniger provokante Frage in irgendwelchen Facebook-Gruppen gestellt. Hier will ich – erneut – ein paar davon selbst beantworten.

Ihr wisst ja: Engagement ist superwichtig auf Social Media. Man muss seine (potenziellen) Follower dazu bringen, irgendeine Reaktion zu zeigen: zu liken, zu teilen – oder zu kommentieren.

Um Letzteres zu erreichen, sind Diskussionsfragen ein probates Mittel. Ich habe mittlerweile eine ganz schön lange Liste solcher Fragen, von denen ich einige bereits in Facebook-Gruppen und/oder auf meinen Facebook-, Instagram– und X-Profilen gepostet habe. 

Allerdings meist ohne meine eigene Meinung zu äußern.

Das will ich hier für eine mehr oder weniger zufällige Auswahl an Fragen nachholen. Auch das habe ich schon mal gemacht – den Link zum ersten Artikel dieser Art findet ihr ganz unten.

Jetzt starten wir erst mal. Und zwar mit dieser schwierigen Frage:

Was ist Literatur?

Ich schätze, wir müssen hier erst einmal unterscheiden zwischen schöngeistiger Literatur und Fachliteratur – und wollen uns auf die erste Sorte beschränken.

Um es kurz zu machen: Literatur sind Texte, die eine Bedeutung über die Worte hinaus haben

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Finde ich. 

Das heißt, der künstlerische Aspekt spielt für mich eine entscheidende Rolle – mir egal, was der Duden oder Wikipedia sagen. Ich kann Texte nicht guten Gewissens als Literatur bezeichnen, wenn sie dieses Kriterium nicht erfüllen. Oder ist ein Einkaufszettel etwa Literatur?

Haben sich eure Genrepräferenzen im Laufe der Zeit verändert?

Durchaus. Als ich wieder mit dem Lesen anfing – mit 19 oder 20 – fand ich die Thriller von Dan Brown sowie Houellebecqs Die Möglichkeit einer Insel ziemlich gut. Letzteres Werk hat mich dann auch dazu veranlasst, mich mit mehr oder weniger provokanter Gegenwartsliteratur einzudecken (Beigbeder, Faldbakken, aber auch Palahniuk und Niven). Dieses Genre hat mich eine ganze Weile begleitet – und natürlich inspiriert, Zeichen von Herbst, Gegenlicht und Der Künstler und die Assassinin zu schreiben.

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Seit einigen Jahren lese ich jedoch am liebsten Science Fiction. Meine nächsten beiden Romane werden tatsächlich Science-Fiction-Romane sein.

Wie detailliert müssen und dürfen Beschreibungen des Aussehens von Figuren sein?

Ich denke: überhaupt nicht detailliert! 

Autoren unterschätzen oft die Fantasie von Lesern. Manchmal reicht schon ein Name, um ein Bild heraufzubeschwören, mit dem sich “arbeiten” lässt. 

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Man könnte sogar argumentieren, dass weniger hier mehr ist, da der Leser sich die Figur dann größtenteils selbst gestalten kann, ganz nach seinen Präferenzen. Nur plotrelevante, (im wahrsten Sinne) bemerkenswerte oder anderweitig bedeutsame Details sollten beschrieben, das heißt eigentlich: vorgegeben werden.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich selbst sehr schlecht darin bin, mich im Hinblick auf die Erscheinung von Figuren mit Beschreibungen zurückzuhalten, und dem Leser damit vielleicht zu oft meine Vorstellungen aufdränge.

Ist die Zensur von Büchern in bestimmten Fällen gerechtfertigt oder sollte ein Autor grundsätzlich alles schreiben dürfen?

Das wird euch vermutlich nicht überraschen: Ich finde, man sollte alles schreiben dürfen.

Alles.

Ich sehe einfach keinen guten Grund, den Ausdruck bestimmter Gedanken zu verbieten. Natürlich besteht eine gewisse Gefahr, dass der eine oder andere Leser sich beeinflussen lässt, angestachelt wird, möglicherweise sogar zu kriminellen oder zumindest unmoralischen Aktivitäten. Ich denke allerdings, mit diesem meines Erachtens doch recht geringen Risiko kann und muss man einfach leben – Freiheit steht hier für mich klar über Sicherheit.

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Das eigentliche Problem – und damit die Verantwortung – liegt in solchen Fällen nicht beim Künstler, sondern beim Rezipienten. (Oder in der Gesamtsituation, doch jeglichen gesellschaftskritischen Kommentar will ich euch mal ersparen.)

Wie hoch schätzt ihr den Anteil der Selfpublishing-Romane, an denen qualitativ nichts auszusetzen ist?

Dazu kann ich tatsächlich kaum etwas sagen, weil ich in dem Bereich immer noch zu wenig bewandert bin, das heißt: so gut wie nichts gelesen habe. Eigentlich nur ein paar der mittlerweile doch recht zahlreichen Veröffentlichungen von Josephine Katharina Groß.

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Wenn ich raten müsste, wäre ich allerdings pessimistisch und würde den Anteil auf etwa 5 Prozent schätzen. Jedes 20. Buch wäre also vergleichbar mit einer guten Verlagsveröffentlichung, das heißt: (nahezu) fehlerfrei und angenehm bis spannend zu lesen.

Schon in den Buchhandlungen liegt so viel – ja sogar verlagsveröffentlichter! – Schund herum, da hätte ich wenig Hoffnung, beim zufälligen Griff nach einem SP-Roman ein Werk zu erwischen, an dem ich unter mehr oder weniger objektiver Betrachtung nichts (oder kaum etwas) auszusetzen hätte.

Welche Tools nutzt ihr, um die Notizen für eure Schreibprojekte zu organisieren?

Ich habe ja schon seit vielen Jahren Notion im Einsatz. Danke, Valuedesk! Mit Notion kann man alles Mögliche bequem organisieren, auch das Privatleben. Ich kann es nur empfehlen! Schaut mal rein.

Ansonsten schreibe ich bestimmte Arten von Notizen direkt ins Manuskript-Dokument. Entweder direkt an die richtigen Stellen oder ganz ans Ende.

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Früher hatte ich ein extra Notizen-Dokument parallel zum Manuskript, das brauche ich jetzt nicht mehr. Geht aber auch. Es muss, allgemein gesprochen, nicht immer eine Speziallösung sein.

Aber Notion bleibt.

Welcher oft gelesene Schreibtipp ist eigentlich völliger Unsinn?

Zufällig habe ich über genau diese Frage schon einen ganzen Blogartikel geschrieben:

10 schwachsinnig Schreibtipps: Diese Ratschläge könnt ihr getrost ignorieren

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Öffnet euch das doch gern mal in einem neuen Tab und lest da gleich weiter!

Autoren und Blogger: Nutzt ihr ChatGPT für eure Romane beziehungsweise Blogartikel? Wenn ja, wofür genau?

Die einen werden jetzt schockiert den Tab schließen, die anderen nur mit der Schulter zucken: Ich nutze ChatGPT zum Schreiben. Und zwar nicht selten. Sowohl beruflich als auch privat.

Auch über das Thema KI habe ich übrigens einen Blogartikel geschrieben:

Kunst und KI: Was bedeutet die Kreativität der Maschine?

Um noch ein bisschen ins Detail zu gehen, was meine ChatGPT-Nutzung betrifft: 

Für Marketing-Content lasse ich mir tatsächlich gern einen Draft schreiben, den ich dann bearbeite. Es fällt mir viel leichter, einen Text umzustrukturieren und feinzuschleifen, als etwas “aufs leere Blatt” (lies: ins leere Google-Dokument) zu bringen.

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Aber: Wenn es um Romane und Kurzgeschichten geht, liegt mir nichts ferner. Tatsächlich macht es mir hier sogar Spaß, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Davon abgesehen, finde ich auch nicht, dass ChatGPT meinen Stil besonders gut zu treffen vermag. Fachartikel über Business-Themen funktionieren eben schon ganz gut, sprachlich anspruchsvolle Literatur (noch) nicht.

Gut möglich, dass GPT-6, Grok-5 oder andere zukünftige Large Language Models (LLMs) in der Lage sein werden, meinen Stil perfekt nachzuahmen. Würde ich ChatGPT dann für Drafts nutzen? 

Ich würde es durchaus mal testen. Ich bin experimentierfreudig, probiere vor allem gern neue digitale Tools aus (die Bilder in diesem Artikel sind ja, wie ihr sicher bemerkt habt, alle von Gemini), und trotz aller Risiken halte ich den technologischen Fortschritt für eine positive Entwicklung (um ehrlich zu sein: für unsere einzige Hoffnung auf eine zeitnahe Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards).

Trotzdem denke ich, Stand heute, dass ich es mir niemals so leicht machen werde, ein LLM für den ersten Draft einer Geschichte zu nutzen. Ich möchte mich schließlich weiterhin ruhigen Gewissens als Künstler bezeichnen können.

Würdet ihr ein Buch lesen, das komplett von einer KI verfasst wurde?

Klar! 

Also, noch nicht heute, da hätte ich keine großen Erwartungen. Aber in der Ära von GPT-6, spätestens GPT-7 sollten LLMs in der Lage sein, spannende und stilistisch einwandfreie Werke zu verfassen. Und einem solchen würde ich durchaus mal eine Chance geben. 

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Ich meine – was Bilder und Musik betrifft, ist die KI meines Erachtens schon auf einem hohen Niveau. Jedenfalls fand ich einige KI-Bilder so cool, dass ich sie einfach downloaden musste, und ich habe mittlerweile mehr als 200 KI-generierte Songs in meiner Shuffle-Playlist – ich als Musiker! Warum sollte es mit der Literatur anders sein, sobald die Technologie so weit ist? 

Oder mit Filmen? Oder mit Games?

Bevorzugt ihr in Romanen ein Happy End?

Eigentlich würde ich sagen, dass ich ein glückliches Ende einem tragischen vorziehe, aber stimmt das denn?

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Wenn ich so darüber nachdenke, würde ich vermuten, dass mich die Romane, die im letzten Kapitel eine gewisse Melancholie oder zumindest Nostalgie hervorrufen, mehr bewegt haben.

Und darum geht es doch, oder etwa nicht?

***

Und das waren meine 10 Antworten auf meine 10 eigenen Facebook-Fragen.

Was hättet ihr geantwortet? Schreibt’s gern mal in die Kommentare!

Hier geht’s übrigens zum ersten Teil dieser noch kurzen Reihe: https://www.patrickwunschautor.de/blog/10-literatur-fragen/ 

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